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Bildung – Es gibt noch Baustellen
FDP-Diskussion mit Rektoren und dem Abgeordneten Florian Toncar / Für Durchlässigkeit zwischen Real- und Hauptschule.

Wolfgang Roth-Greiner (FDP-Ortsverein), Florian Toncar (Bundestagsabgeordneter), Valentin Weislämle (Kreisvorsitzender der FDP), Gertrud Wittek (Leiterin Realschule) und Roland Gleibs (Leiter Markgrafenschule von links) diskutierten im Hotel Ott über Haupt- und Realschule. Foto: Mink
WEIL AM RHEIN (tm). Welche Chancen und gegenseitigen Ergänzungen bieten Haupt-, Real- und Werkrealschule? Dieser Frage ging der FDP-Ortsverband am Montag mit einer Podiumsdiskussion nach. Eingeladen waren Gertrud Wittek, Rektorin der Realschule, Roland Gleibs, Rektor der Markgrafenschule und der FDP-Bundestagsabgeordnete Florian Toncar.
Schulpolitik sei häufig ein ideologisches Schlachtfeld für Bildungslaien, begründete der FDP-Ortsvorsitzende Wolfgang Roth-Greiner, weshalb man Experten zu diesem Thema zum Gespräch geladen habe. Wie sehr das Thema die Gemüter bewegt, zeige das Beispiel Hamburg, stellte Florian Toncar fest. Wer die Einheitsschule will, muss darlegen, dass sie bessere Ergebnisse bringt. Das ist bisher nicht nachgewiesen, meinte er. Baden-Württemberg biete vergleichsweise gute Bildungschancen und mit 5,6 Prozent Schulabbrechern habe man die niedrigste Quote in Deutschland. Aber jeder Schüler ohne Abschluss ist inakzeptabel, betonte er. Doch bestehe vom ersten Schultag an eine erhebliche Chancenungleichheit aufgrund Elternhaus und Vorbildung. Wer die deutsche Sprache nicht verstehe oder Defizite in sozialen Kompetenzen habe, werde Schwierigkeiten haben, stellte er fest. Deshalb werde jetzt ab dem vierten Lebensjahr die Sprachfähigkeit gefördert. Schon in der Kindertagesstätte müsse mehr Bildung stattfinden, deshalb habe der Bund 80 Millionen Euro für die Qualifizierung des Personals bereitgestellt.
Das Projekt Werkrealschule biete Aufstiegschancen aus der Hauptschule und halte diese attraktiv, meinte Florian Toncar. Die Schule, die Sie kennen, gibt es heute nicht mehr, sagte Roland Gleibs im Hinblick auf die Veränderungen. Fachwissen stehe nicht mehr im Vordergrund, sondern vielmehr soziale, methodische, und fachliche Kompetenzen, ergänzte Gertrud Wittek. Es werde fächerübergreifend unterrichtet, und man bilde sehr berufsorientiert aus. Mit den Schülern der 5. und 6. Klasse mache man einen Internet-Test in Mathe und Deutsch, und das Ergebnis gehe direkt auf die individuellen Schwächen ein, erzählte Gleibs. Praktika in Betrieben seien eine fantastische Sache, ebenso wie praxisorientierte Kooperationsklassen mit der Gewerbeschule. Die Durchlässigkeit zwischen Haupt- und Realschule funktioniere gut, zwischen der Realschule und dem achtjährigen Gymnasium funktioniere sie allerdings nicht mehr. Doch sehr viele Realschüler machen hinterher auf einem berufsbildenden Gymnasium ihr Abitur.
An der Haupt- und Werkrealschule gibt es Sozialpädagogen und pädagogische Assistenten, die nicht nur für die Ganztagsbetreuung sorgen, sondern Schüler auch individuell fördern. An der Realschule gibt es so etwas nicht, und viele Schüler bleiben wegen zu wenig Fördermöglichkeiten auf der Strecke, bedauerte Wittek. Die Schule müsse heute auch immer mehr Erziehungsaufgaben erledigen, stellte Gleibs fest und stellte die rhetorische Frage: Und wer bekommt das Kindergeld? Florian Toncar meinte dazu, man müsse stärker die Institutionen fördern, statt Geld an Eltern auszuzahlen.
Auf den Hinweis eines Zuhörers, dass viele Betriebe über die mangelnde Ausbildungsfähigkeit der Schüler klagen, antwortete Gleibs: Das war sicher so, und es herrscht so etwas wie eine mediale Verblödung, doch seit ein paar Jahren werden die Schüler besser gefördert. Gertrud Wittek meinte, Schule könne nur die Grundlagen bieten und nicht alles abdecken, was in unterschiedlichen Betrieben gefordert werde. Ein Zuhörer kritisierte, dass die kulturelle Bildung im heutigen Schulunterricht zu kurz komme.
Bis 2020 werde es 20 Prozent weniger Schüler geben, sagte der FDP-Kreisvorsitzende Valentin Weislämle, der die Diskussion leitete. Doch weder Getrud Wittek noch Roland Gleibs befürchten zurückgehende Schülerzahlen für ihre Schulen. Ein Problem, insbesondere an der Realschule ist hingegen, dass fehlende Lehrerstunden nur durch Streichung von Zusatzangeboten ausgeglichen werden können und Lehrer kaum zu bekommen seien.
- Weitere Informationen unter: http://www.badische-zeitung.de/weil-am-rhein/bildung-es-gibt-noch-baustellen--33693955.html
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