Al Gore, selbsternannter Klimaretter und Friedensnobelpreisträger, hält heute abend (Live auf n-tv) seinen Vortrag zum Klimawandel vor erlauchtem Publikum in Berlin. Der Energiekonzern EnBW hat dafür tief in die prall mit Kundengeldern gefüllten Firmenschatullen gegriffen*: Angeblich 140.000 Euro bekommt der ehemalige US-Präsidentschaftskandidat für die 90 Minuten-Vorstellung.
Der Stern berichtet über Kritik im Vorfeld der Veranstaltung:
…Umso bizarrer wirken die Beschränkungen, denen sich Journalisten auf Geheiß von Gores Medienagentur unterwerfen sollen. Sie müssen, wenn sie sich akreditieren wollen, ein Formular unterschreiben, das sie dazu verpflichtet, nicht aus dem Vortrag zu zitieren. Andernfalls wird ihnen mit Schadensersatzforderungen gedroht. Der Bundesvorsitzende des Deutschen Journalistenverbandes Michael Konken betrachtet dies als ein Eingriff in die Freiheit der Berichterstattung. Gore könne nicht den Vortrag, für den er den Friedensnobelpreis erhielt, gegenüber den Medien zur Geheimsache erklären, heißt es in einer Stellungnahme Konkens.
Das Honorar, dass seine Agentur Harry Walker für die EnBW-Rede aufgerufen hat, soll bei 140.000 Euro liegen. Harry Walker hat auch Prominente wie Ex-Kanzler Gerhard Schröder und Ex-Uno-Generalsekretär Kofi Annan unter Vertrag.
Auch der Fakt, dass Gore überhaupt kommt, steht in der Kritik. Hans-Jose Fell, Ernergie-Experte der Grünen, sagte am Dienstag in Berlin, EnBW versuche Gore als “klimapolitisches Feigenblatt” zu nutzen. “In den nächsten Jahren baut EnBW fossile Kraftwerke mti einer Leistung von rund 3000 Megawatt, was neue große Mengen an CO2-Emmissionen bedeutet”, sagte Fell. Gleichzeitig beschränke sich die Planung des Konzerns für die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien auf 500 Megawatt.
http://www.stern.de/politik/panorama/:Klimakongress-Al-Gore-Geheimsache/600783.html
Dazu auch: http://www.tagesschau.de/inland/gore12.html
und: http://www.welt.de/politik/article1291271/
Wer_Gore_hoeren_will_soll_schweigen.html
Doppelt brisant macht die Sache, dass der Energieversorger EnBW im Südwesten Deutschlands ein regionales Monopol in der Energieversorgung betreibt. Ein Großteil des hier produzierten Stromes stammt aus den noch in Betrieb stehenden vier Atomkraftwerken im Land.
Gleichzeitg berichtet tagesschau.de: “der neue EnBW-Chef Hans-Peter Villis erklärte erst in der vergangenen Woche, dass auch er weiter steigende Strompreise erwarte.”
* Laut http://www.enbw.com vom 8.8.2007 hat die EnBW im ersten Halbjahr 2007 einen Rekordgewinn erreicht:
“Das Ergebnis vor Ertragsteuern, Zinsen und Abschreibungen (EBITDA) erhöhte sich um 5,4 Prozent auf 1,399 Milliarden Euro. Das Ergebnis vor Ertragsteuern und Zinsen (EBIT) verbesserte sich um 3,2 Prozent auf 1,025 Milliarden Euro, [...] Damit hat die EnBW im ersten Halbjahr 2007 bei allen wesentlichen Ertragskennzahlen – EBITDA, EBIT und EBT – erneut historische Höchstwerte erreicht.
Noch im Sommer 2006 begründete die EnBW erhebliche Preiserhöhungen im Strom- und Gasbereich mit “gestiegenen Beschaffungskosten“.
Hauptaktionäre der EnBW sind mit 45,01% die Électricité de France (EDF) sowie mit 45,01% die Oberschwäbischen Elektrizitätswerke (OEW).