FDP lehnt Sanktionen gegen Russland ab
Die FDP warnt im Kaukasus-Konflikt vor einem harten Vorgehen gegen Russland. FDP-Vorsitzende Guido Westerwelle lehnte im «Münchner Merkur» (Samstagausgabe) laut Vorabbericht Sanktionen der EU gegen Russland ab. «Drohkulissen bewirken nichts, sie verhärten nur und machen den Frieden unsicherer», sagte er. Wer jetzt das Gespräch mit Russland abbreche, werde weder den Betroffenen noch dem Frieden nutzen.
Der FDP-Politiker erinnerte an «die markige Rede» des damaligen russischen Präsidenten Putin auf der Münchner Sicherheitskonferenz 2006 und sagte: «Der russische Bär fühlt sich in seiner Seele verwundet, und das birgt die Gefahr von Unberechenbarkeit.» Westerwelle forderte daher eine Fortsetzung des Dialogs mit Russland. Jetzt seien «Diplomaten gefragt und keine Muskelspiele».
Zudem sah Westerwelle viele Fehler der US-Regierung in ihrer Außenpolitik. Die US-Pläne für einen Raketenschild in Polen und Tschechien bezeichnete er als große Gefahr, die Lage abermals zu verhärten.
Auch der frühere Außenminister Klaus Kinkel (FDP) warnte die EU vor Sanktionen gegen Russland wegen des Kaukasus-Konflikts. Beschlüsse wie eine Ablehnung des WTO-Beitritts, einen Ausschluss aus der G8 oder eine Absage an das Partnerschaftsabkommen mit Russland halte er für verfehlt, sagte Kinkel dem Nachrichtenmagazin «Focus» laut Vorabbericht. Notwendig sei jetzt Deeskalation. Die Bundesregierung mit ihren guten Kontakten zu Moskau könne helfen, die Situation in ruhigeres Fahrwasser zu bringen.
FDP-Generalsekretär Dirk Niebel kritisierte die Zusicherung, Georgien könne auf jeden Fall Mitglied der NATO werden. Diese Äußerung Merkels sei zum jetzigen Zeitpunkt nicht klug, sagte Niebel der «Berliner Zeitung». Die Vorgänge der Kaukasus-Krise zeigten ganz deutlich, dass Georgien wegen seiner inneren Strukturen nicht beitrittsfähig sei.
Niebel forderte die Bundesregierung auf, sich an die Spitze einer Abrüstungsinitiative zu stellen. Dies sei auch angesichts der Vorgänge im Kaukasus bitter nötig. Das Vorgehen der USA bei ihrem Raketenschild mit Basen in Polen und Tschechien sei riskant. [...] «Diese Nervosität rechtfertigt keine militärische Intervention in Georgien, aber sie ist da und entfaltet eine schlimme Wirkung», sagte Niebel. ddp/roy
