Es tut sich was in der deutschen Gesundheitspolitik:
Seit Jahren tobt der Streit um die Behandlung von Drogensüchtigen mit Diamorphin, also mit im Labor hergestelltem Heroin. Voraussetzung für eine solche Therapie ist eine Änderung des Betäubungsmittelrechts. Obwohl dem Bundestag dazu ein Gesetzentwurf vorliegt, der von den CDU-regierten Ländern Hessen und Hamburg initiiert worden war, kam es im Berliner Parlament bisher zu keiner Abstimmung. Die Union ist gegen das Vorhaben, die SPD beugte sich bisher der Koalitionsdisziplin.
Doch jetzt ist alles anders. Die Union dringt beim Schwangerschaftsrecht auf verschärfte Beratungsregeln. In einem Koppelgeschäft ließ die SPD einen fraktionsübergreifenden Gesetzentwurf zur Änderung des Schwangerschaftskonfliktgesetzes zu, im Gegenzug pochten die Sozialdemokraten darauf, einen sogenannten Gruppenantrag zur Diamorphintherapie im Bundestag zur Abstimmung freizugeben. Marion Caspers-Merk, die Staatssekretärin im Bundesgesundheitsministerium, sagt: “Wir haben die Union darauf hingewiesen, dass die Hilfe für Drogenkranke ebenso eine ethische Frage ist wie die Vermeidung von Spätabtreibungen.”
Der Gesetzentwurf zur Diamorphinbehandlung wird von Abgeordneten der SPD, der Grünen, der FDP sowie der Linkspartei getragen. Der SPD-Fraktionschef Peter Struck findet sich ebenso auf der Liste wie die Stuttgarter Grünen-Abgeordnete Birgitt Bender oder die FDP-Landesvorsitzende Birgit Homburger. Findet der Gesetzentwurf eine Mehrheit, ist auch die Zukunft der Karlsruher Dorgenambulanz gesichert. Die Stadt hatte sich an einem bundesweiten Modellversuch beteiligt, der den Erfolg einer Diamorphintherapie im Vergleich mit einer Methadonbehandlung untersuchte.
Die Studie kam zu dem Ergebnis, dass die Diamorphintherapie den Gesundheitszustand der Schwerstsüchtigen so weit verbessert,dass sie in eine ausstiegsorientierte Behandlung wechseln können. Außerdem werde die Beschaffungskriminalität vermindert und die Drogenszene gelichtet.
http://www.stuttgarter-zeitung.de/stz/page/1922159_0_2147_zulassung-von-diamorphin-wende-im-streit-um-herointherapie.html