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KOBER: Digitalisierung und Jobs hier helfen keine Almosen, sondern nur Bildung

26.04.2019 -

OECD-Präsident Angel Gurría warnt: „Geringqualifizierte sind einem höheren Risiko ausgesetzt, dass ihre Arbeitsplätze ersetzt werden.“ Grund ist eine Studie der OECD, die für Deutschland prognostiziert, dass in den kommenden 15 bis 20 Jahren 18,4 Prozent aller Arbeitsplätze durch Automatisierung und Künstliche Intelligenz bedroht sind.

Von links wird nach einem Bedingungslosen Grundeinkommen verlangt, mit dem die aus dem Arbeitsmarkt hinausdigitalisierten Menschen abgespeist werden sollen. Wir Freien Demokraten sehen hingegen die Lösung – wie übrigens auch die OECD – in radikal verbesserter und leichter zugänglicher Erwachsenenbildung. Denn wir glauben, dass jeder das Potential in sich birgt, von der Gesellschaft gebraucht zu werden. Es muss aber gefördert werden.
Doch nicht nur Geringqualifizierte werden in den kommenden Jahren den Digitalen Wandel bewältigen müssen. Einige populäre Berufsbilder werden sich massiv wandeln. Der Einzelhandelskaufmann wird zum Beispiel schon jetzt einerseits vom Onlinehandel und andererseits von der Selbstbedienungskasse im Geschäft angegriffen. In den USA betreibt Amazon bereits erste echte Geschäfte, in denen der Kunde gar keinem Angestellten und keiner Kasse mehr begegnet, sondern die gewünschte Ware einfach mitnimmt – smarte Technik verrechnet den Einkauf direkt mit seinem Amazonkonto.

Wie bereitet sich die Gesellschaft auf diesen Umbruch vor?
Dennoch ist der Kaufmann im Einzelhandel mit im Jahr 2015 mit 30.747 neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen der beliebteste Ausbildungsberuf in Deutschland. Der Handel beschäftigte 2016 drei Millionen Menschen. Viele dieser Jobs werden in wenigen Jahren völlig anders aussehen, andere ganz wegfallen. Wie bereitet sich die Gesellschaft auf diesen Umbruch vor?
Die Freien Demokraten wollen auch Geringqualifizierte nicht aufs Abstellgleis stellen, wo sie sich mit Almosen zu begnügen haben. Wir sehen in ihnen Menschen, die ein Recht darauf haben, sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten ideal zu entwickeln. Wir müssen auch jenen, die vorübergehend oder dauerhaft auf staatliche Unterstützung angewiesen sind, den Rückweg in die Arbeitswelt erleichtern, indem wir ihre Zuverdienstgrenzen verbessern. Auch für Empfänger von Sozialleistungen muss Bildung im Vordergrund stehen.

Unter der Großen Koalition werden Leistungsempfänger unter 30 Jahren gezwungen, jeden zur Verfügung stehenden Job anzunehmen. Wir fordern, dass eine Berufsausbildung Priorität hat, die langfristig viel mehr hilft, als kurzfristig ein wenig mehr Geld auf dem Konto. Und wer dafür drei Jahre benötigt, den sollten wir nicht mit einer verkürzten Ausbildung überfordern und zurück in die Arbeitslosigkeit senden.
Nicht nur die Geringqualifizierten, sondern auch die gesellschaftliche Mitte, die das Rückgrat des Sozialstaats bildet, braucht bessere Möglichkeiten, lebenslang dazuzulernen. Hierzu brauchen wir aber ganz neue Instrumente und neue Begrifflichkeiten, von denen die Große Koalition leider bisher nichts hören mag:

Der Vorschlag des FDP-Mannes: Freiraumkonto für Bildungssparen

Auf einem Freiraumkonto zum Bildungssparen könnte jeder steuersparend aus seinem Bruttoeinkommen Rücklagen für Bildungsinvestitionen bilden. Und mit dem Midlife-Bafög würde der Staat allen, die weniger als das Medianeinkommen haben, zusätzlich 500 bis 1000 Euro jährlich auf dem Freiraumkonto gutschreiben, mit der Möglichkeit, das Geld bis zu zehn Jahre lang anzusparen und für berufliche Weiterbildung auszugeben.
Sinnvolle Weiterbildungsmaßnahmen sollten für alle Betriebe im Rahmen des bestehenden Budgets der BA mit maximal 50 Prozent unbürokratisch und marktorientiert gefördert werden können. Kaum etwas illustriert die Ratlosigkeit der Großen Koalition deutlicher, als die Tatsache, dass sie noch immer versäumt hat, das 22 Jahre alte (!) Arbeitszeitgesetz den heutigen technischen Möglichkeiten, was z.B. ortsungebundenes Arbeiten betrifft, anzupassen.


Die Zukunft der Arbeitswelt birgt gewaltige Chancen – aber nur, wenn wir sie klug gestalten!



Dieser Beitrag erschien als Gastbeitrag bei focus online: https://www.focus.de/politik/deutschland/gastbeitrag-von-fdp-politiker-pascal-kober-digitalisierung-killt-jobs-dagegen-helfen-keine-almosen-sondern-nur-bildung_id_10637710.html



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