Baden-Württemberg belegt eine sehr gute Position im Bereich Kultur- und Kreativ-wirtschaft

Wirtschaftsminister Ernst Pfister stellt Datenreport 2010 zur Kultur- und Kreativwirtschaft Baden-Württemberg vor

18.11.2010 - ?Baden-Württembergs Kultur- und Kreativwirtschaft verfügt über eine besonders gute Ausgangsposition im Wettbewerb der Bundesländer. Wirtschaftliches Wachstum und die Beschäftigungszunahme dieser jungen und kreativen Querschnittsbranche entwickelten sich im Südwesten besonders dynamisch?, erklärte Wirtschaftsminister Ernst Pfister heute in Stuttgart und stellte damit den ?Datenreport 2010 zur Kultur- und Kreativwirtschaft Baden-Württemberg? vor, den das Büro für Kulturwirtschaftsforschung im Auftrag des Wirtschafts-ministeriums erstellt hat.

?Die baden-württembergische Kultur- und Kreativwirtschaft erweist sich in einer stark von Produktion und Technologie geprägten Region als bedeutendes, eigen-ständiges Wirtschaftsfeld?, so Ernst Pfister. Sie sei in Baden-Württemberg einerseits eng mit der Industrie vernetzt, weise aber andererseits auch in wesentlichen Segmenten eine Eigenständigkeit auf.

?Mit rund 29.000 Unternehmen und einem Umsatzvolumen von insgesamt
20,1 Milliarden Euro im Jahr 2008 brachte es die Kultur- und Kreativwirtschaft auf einen Anteil von 6,6 Prozent an allen Unternehmen Baden-Württembergs und auf 2,6 Prozent des Gesamtumsatzes der Wirtschaft des Landes?, erklärte Ernst Pfister. Die Kultur- und Kreativwirtschaft ist mit 160.000 Erwerbstätigen, einschließlich der geringfügig Beschäftigten mit sogar insgesamt 210.000 Erwerbstätigen in etwa vergleichbar mit für Baden-Württemberg ebenfalls wichtigen Branchen wie Fahrzeugbau (238.000 Erwerbstätige), Forst- und Holzwirtschaft (rund 200.000 Erwerbstätige) oder Kredit- und Versicherungs-gewerbe (161.000 Erwerbstätige), so Pfister weiter.

?Die Kultur- und Kreativwirtschaft in Baden-Württemberg zeichnet sich vor allem durch eine überdurchschnittliche Wachstumsdynamik aus?, hob der Minister hervor. So ist das wirtschaftliche Wachstum gemessen am Umsatzvolumen im Zeitraum 2003 bis 2008 mit 26 Prozent doppelt so hoch ausgefallen wie im gesamten Bundesgebiet mit einer Zunahme von lediglich 13 Prozent. Diese Wachstumsdynamik bewirkte auch, dass sich die Zahl der Erwerbstätigen in Baden-Württemberg in diesem Zeitraum überdurchschnittlich entwickelte (+ 13 Prozent), während der Bundeswert bei acht Prozent Zuwachs lag. Ein überdurchschnittliches jährliches Umsatzwachstum von knapp fünf bis über acht Prozent wiesen zwischen 2003 und 2008 sechs Teilmärkte aus, darunter an erster Stelle die Software- und Gamesindustrie mit 8,1 Prozent (Schaubild 2).

Die Kultur- und Kreativwirtschaft umfasst erwerbswirtschaftlich orientierte Unternehmen in insgesamt elf Teilmärkten. Die Teilmärkte mit den höchsten Umsatzzahlen sind: Software-/Games-Industrie mit einem Umsatzanteil von 28 Prozent (6,2 Milliarden Euro), gefolgt vom Pressemarkt mit 18 Prozent (vier Milliarden Euro), Werbemarkt mit 15 Prozent (3,4 Milliarden Euro), Buchmarkt mit 12 Prozent (2,6 Milliarden Euro) und der Designwirtschaft mit zehn Prozent (2,2 Milliarden Euro). Weitere wichtige Teilmärkte sind der Architekturmarkt, die Film-, Rundfunk- und Musikwirtschaft sowie der Kunstmarkt und der Markt für darstellende Künste (Schaubild 1).

Es folgen der Markt für darstellende Künste (7,1 Prozent), der Kunstmarkt (sieben Prozent), die Designwirtschaft (6,3 Prozent), die Rundfunkwirtschaft (6,2 Prozent) und die Architektur (4,9 Prozent) (Schaubild 1). Im Bereich der Erwerbstätigen entwickelten sich vier Teilmärkte überdurchschnittlich positiv. An der Spitze lag die Rundfunkwirtschaft mit einem durchschnittlichen jährlichen Zuwachs von 4,6 Prozent, gefolgt von Kunstmarkt (3,9 Prozent), Software
/Games (3,7 Prozent) und Markt für darstellende Künste (3,6 Prozent).

Die Kultur- und Kreativwirtschaft profitiert im Südwesten im Vergleich zum Bundesdurchschnitt insbesondere von wirtschaftlich stabileren Strukturen. So erzielten die Kultur- und Kreativunternehmen in Baden-Württemberg im Durchschnitt höhere Umsätze als die Unternehmen im Bundesdurchschnitt, ebenso liegt die Beschäftigtenzahl je Unternehmen höher als im Durchschnitt.

Zusammenfassend zeigt der Datenreport in den kulturwirtschaftlichen Branchen des Landes hervorragende regionale Entwicklungen. Die Beispiele reichen vom bundesweit bekannten Musikpark Mannheim und der Popakademie Baden-Württemberg über die Verlagslandschaft mit Buch- und Zeitschriftenproduktion, die exzellente regionale Buchhandelsversorgung, die erfolgreichen bildenden Künstler und Galerien, die internationale Filmakademie Baden-Württemberg, den hochprofitablen Hörfunkmarkt, die ausgeprägte Kabarettszene, die wirtschaftlich starken Designcluster, den mittelständisch geprägten Architekturmarkt bis zu den Spieleentwicklern, die regelmäßig zu den Gewinnern des Deutschen Computerspielepreises oder des Serious Games Award zählen.

Der Datenreport 2010 zur Kultur- und Kreativwirtschaft Baden-Württemberg? kann unter www.wm.baden-wuerttemberg.de unter Pressemitteilungen herunter geladen werden.

Hintergrundinformationen:
Unter Kultur- und Kreativwirtschaft werden nach den Empfehlungen der Wirtschaftsministerkonferenz die Kultur- und Kreativunternehmen erfasst, welche überwiegend erwerbswirtschaftlich orientiert sind und sich mit der Schaffung, Produktion, Verteilung und/oder medialen Verbreitung von kulturellen Gütern und Dienstleistungen befassen. Das Wirtschaftsfeld Kultur- und Kreativwirtschaft umfasst folgende elf Kernbranchen oder Teilmärkte: Musikwirtschaft, Buchmarkt, Kunstmarkt, Filmwirtschaft, Rundfunkwirtschaft, Markt für darstellende Künste, Designwirtschaft, Architekturmarkt, Pressemarkt, Werbemarkt sowie Software-/Games-Industrie.

Der wirtschaftlich verbindende Kern jeder kultur- und kreativwirtschaftlichen Aktivität ist der sogenannte schöpferische Akt. Damit sind alle künstlerischen, literarischen, kulturellen, musischen, architektonischen oder kreativen Inhalte, Werke, Produkte, Produktionen oder Dienstleistungen gemeint, die als wirtschaftlich relevanter Ausgangskern den elf Teilmärkten zugrunde liegen.

Zusätzlich zu dem Kernbereich der Kultur- und Kreativwirtschaft mit den elf Teilmärkten wurden im vorliegenden Datenreport ausgewählte Wirtschaftszweige des Kultur- und Kunsthandwerks, insbesondere Musikinstrumenten- und Schmuckproduktion sowie Fotografie in die Untersuchung einbezogen, da auch regionalspezifische Besonderheiten mit diesen Wirtschaftszeigen verbunden sind.

Mit der Schmuck- und Musikinstrumentenproduktion ist Baden-Württemberg auch im Kunsthandwerk führend und kann überregional bis teilweise weltweit bekannte Produktionsstandorte vorweisen. Rund 3.800 Unternehmen des Kunst- und Kulturhandwerks tragen mit einem Umsatz von zusammen knapp 2,7 Milliarden. Euro eine weitere beachtliche Wirtschaftsleistung zur Kultur- und Kreativwirtschaft in Baden-Württemberg bei.

Bei der Schmuckproduktion liegt Baden-Württemberg mit rund 800 Unterneh-men, einem Jahresumsatz von mehr als einer Milliarde Euro und fast 5.500 Erwerbstätigen im Bundesländervergleich unangefochten auf dem ersten Rang in Deutschland. Der mit Abstand wichtigste Standort der Schmuckindustrie ist die Region Nordschwarzwald mit Pforzheim. Die außergewöhnlich starke Stellung der baden-württembergischen Schmuckindustrie führt darüber hinaus dazu, dass Deutschland auch im europäischen Ranking einen hervorragenden Platz hinter Italien einnimmt.

Im Wirtschaftszweig Musikinstrumentenproduktion erwirtschafteten im Jahr 2008 rund 240 Unternehmen mit fast 1.500 Erwerbstätigen 122 Millionen Euro Umsatz. Ein Profilmerkmal der baden-württembergischen Musikinstrumentenpro-duktion ist es, dass international renommierte Firmen und Betriebe ihren Sitz nicht etwa in den urbanen Zentren haben, sondern sich verstärkt in ländlich strukturierten Standorten befinden. So hat sich ein neues Netzwerk Musikindustrie und Musikinstrumentenproduktion in der Region Schwarzwald-Baar-Heuberg mit den Städten Spaichingen und Trossingen gebildet.

Im Wirtschafts- und Handwerkszweig Fotografisches Gewerbe (Fotografie für Privatpersonen und kommerzielle Nutzer sowie Fotojournalisten) erwirtschafte-ten im Jahr 2008 rund 1860 Erwerbstätige in rund 860 Unternehmen 131 Millionen Euro Umsatz.


Der Datenreport stützt sich in der empirischen Analyse auf die Daten aus der amtlichen Statistik. Dazu haben das Statistische Landesamt Baden-Württemberg und die Bundesagentur für Arbeit, Statistik-Service Südwest, jeweils Sonderauswertungen zur Verfügung gestellt. Darüber hinaus werden wichtige Kennzahlen für die Teilmärkte der Kulturwirtschaft wie Anzahl der Unternehmen und der Selbständigen sowie Anzahl der Erwerbstätigen auf die 12 Regionen des Landes herunter gerechnet. Dies erfolgt in dieser Form erstmalig auf der Grundlage von Sonderauswertungen des Unternehmensregisters durch das Statistische Landesamt Baden-Württemberg.

Der Datenreport zur Kultur- und Kreativwirtschaft Baden-Württemberg wurde im Auftrag des Wirtschaftsministeriums von Michael Söndermann, Büro für Kulturwirtschaftsforschung, Köln, erstellt.

 

Mehr zu Gesellschaftspolitik:


p Druckversion  p Pressestelle


Mitgliedermagazin
fdplus Mitgliedermagazin
fdplus Mitgliedermagazin
Partei-Netzwerk Meine Freiheit
Jetzt Mitglied werden!
Neumitglieder 2013
Homepage • Impressum • Datenschutz • FDP.de •  JuLis •  Landtagsfraktion •  Mitteilungen RSS • Termine RSS